Nekane – eine von uns!

Solifoto vom Frauen*streikkollektiv mit dem Transparetn "Nekane - eine von uns Keine Auslieferung an Folterstaaten!"

Liebe Streikende und Menschen aller (Pro-)Feministischen Netzwerke der Schweiz

Kurz vor dem Frauen*streik droht unserer Freundin und Mitstreiterin Nekane erneut die Verhaftung. Am Mittwoch, dem 22. Mai 2019, kündigten die spanischen Behörden an, einen Haftbefehl zu erlassen und die Schweiz mit einem neuen Auslieferungsgesuch zu konfrontieren.1999 wurde Nekane Txapartegi, damals Stadträtin von Asteasu im Baskenland, durch die Guardia Civil des spanischen Staats festgenommen. Während 5 Tagen wurde sie in einem Keller schwer gefoltert und vergewaltigt. In diesen Tagen wurde sie gezwungen, ein vorgefertigtes Geständnis abzugeben, unter dessen Vorwand sie bis heute politisch verfolgt wird.Sie flüchtete vor drohender weiterer Folter und Verhaftung, und lebt nun seit mehreren Jahren mit ihrer Tochter in der Schweiz. Nekanes Asylgesuch wurde vom Staatssekretariat für Migration (SEM) abgelehnt, obwohl das Bundesverwaltungsgericht die Foltervorwürfe als «glaubhaft» einstuft. Nun haben die spanischen Behörden ihre Verfolgung wieder aufgenommen.

Als (Pro-) Feminist*innen und FLINT* sind wir alle betroffen von diesen Ereignissen, die das Patriarchat durch sein Einwirken auf das Justizsystem des spanischen Staates zu verantworten hat. Sexualisierte Folter wird zwar an Einzelpersonen ausgeübt, doch es ist eine Kriegsstrategie und ein Unterdrückungswerkzeug. Sexualisierte Folter soll nicht nur die Betroffenen traumatisieren und demoralisieren, sondern auch den sozialen Zusammenhalt von gesamten Gruppen zerstören. Frauen* die den Rückhalt der Gemeinschaft erhalten, deren Körper die nächste Generation produzieren, aber auch Inter-, Non-Binary, und Transpersonen, sind die ersten, die von patriarchaler Gewalt ins Visier genommen werden.

Nekane wird wegen ihrer politischen Überzeugungund als Baskin, Frau* und Aktivistin verfolgt– aber auch, weil sie es als eine von Wenigen gewagt hat, die systematische patriarchale Gewalt des spanischen Staats öffentlich zu machen. Ihr Mut, das Schweigen zu brechen, ist Mitgrund für die Hartnäckigkeit der spanischen Behörden, mit der sie Nekane ins Gefängnis bringen wollen. Der Versuch, Nekanes Glaubwürdigkeit infrage zu stellen, ist der Versuch, ihre Auflehnungzu unterdrücken. Und genau das ist es, was wir als (Pro-)Feminist*innen in der Schweiz nicht zulassen dürfen: Wir müssen dafür sorgen, dass Nekanes Geschichte gehört wird. Denn die Schweiz hat die Möglichkeit, die Menschenrechtsverletzung anzuerkennen, die Nekane erfahren hat, und sie mit dieser Begründung nicht auszuliefern.

Was können wir als feministisches Netzwerk tun, um Nekane und ihre Tochter zu unterstützen?

1. Nekane ist eine von uns. Gemeinsam und solidarisch treten wir sexualisierter Gewalt entgegen. Wir sind keine Opfer, sondern politische Subjekte, die sich wehren. Wir müssen uns als (Pro-)Feminist*innen, Frauen*, Lesben, Inter-, Non-Binary, und Transpersonen gegen diese Gewalt stellen.
2. Wir können den Fall von Nekane publik machen. Indem wir ihn sichtbar und hörbar machen durch Aktionen, indem wir darüber schreiben und sprechen, innerhalb der Familie und Freundeskreise, aber auch auf der Arbeit und mit Bekannten, die politische oder behördliche Mandate belegen.
3. Wir können einander bedingungslos unterstützen. Wir etablieren und unterhalten ein dichtes Netzwerk von Unterstützer*innen. Wir teilen alles, verdichten die Informationen, und bauen gemeinsam Widerstand auf.

Informiere dich!

Newsletter: Einschreibung unter info@freenekane.ch
Website: www.freenekane.ch

Solidarisiere dich!

Leite diese Mail an Bekannte weiter!
Zeig deine Solidarität an der Demo am Samstag, 8. Juni. Treffpunkt 17.30, Limmatplatz Zürich
Facebook: Demo: Nekane – Eine von uns!

Du kennst Journalist*innen, die etwas zu Nekane’s Situation schreiben könnten?
Melde dich bei freenekane.medien@gmail.com
Presse-Communiqué auf freenekane.ch

Du willst direkt unterstützen? Das Free Nekane Bündnis koordiniert die Kampagne, ihr könnt mit dem Bündnis in Kontakt treten!
So erreichst du uns: freenekane@immerda.ch
Eure finanzielle Unterstützung ermöglicht unsere Kampagne:
Verein zur Unterstützung von Folteropfern, Zürich
PC: 61-973698-4 IBAN: CH67 0900 0000 6197 3698 4
Bitte mit Vermerk „Free Nekane“

Darüber hinaus informieren wir uns über sexistische/sexualisierte Gewalt und politische Unterdrückung im allgemeinen. In der Schweiz wird alle zwei Wochen eine Frau* umgebracht, in der Stadt Zürich zuletzt am 31. Mai 2019 — die meisten Fälle bleiben aber weitgehend unbekannt. Auch das Asyl- und Ausschaffungswesen, welches Menschen katalogisiert und aussortiert nach kapitalistisch-patriarchalen Kriterien, und das Gefängnis- und Polizeiwesen, welche das System assistieren und ausführen sind Teil sexistischer, sexualisierter Gewalt. Wir müssen patriarchale Gewalt in all seinen Formen zum Thema einer öffentlichen Debatte machen und uns wehren gegenTendenzen, die diese Gewalt individualisieren, entpolitisieren und auslagern indem sie bspw. psychologische Erklärungen suchen oder behaupten, sexualisierte Gewalt sei in der Schweiz kein Problem. Nekane und alle politisch Verfolgten und Ausgegrenzten brauchen den Rückhalt einer solidarischen Gesellschaft.

Gemeinsam sind wir stark! Wir müssen hier und jetzt etwas tun gegen Gewalt, Unterdrückung und Auslieferung.

Nekane ist eine von uns — der Feministische Streik / Frauen*streik 2019 findet in zwei Wochen statt, doch unser Kampf gegen das Patriarchat fängt dann erst richtig an.