Rede: Gastra – Kollektiv

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Ob Kneipe oder Restaurant, wichtig ist der Widerstand!

Rede, 14. Juni 2019, Helvetiaplatz/Ni una menos Platz Zürich

Gastra-Kollektiv

Ja, heute streiken auch Frauen*, inter, trans, queer und non-binary Personen aus der Gastronomie. Wer in der Gastronomie arbeitet, weiss genau warum. So oft kommt es gerade in Gastro-Betrieben zu Sexismus. Wir sind diesem durch berufliche Strukturen besonders ausgeliefert. Wenn zum Beispiel bei der Arbeit ein Gast einen Kommentar über mein Lächeln macht oder mir auf die Brüste starrt, dann kann ich nicht so reagieren, wie ich das möchte, weil ich durch meinen Beruf dazu gezwungen bin, diesen Gast zu bedienen. Meine berufliche Verpflichtung setzt mich in eine verletzliche Situation, die täglich ausgenutzt wird.

Oder wenn der – natürlich männliche* – Chef de Service mich wiedermal rumkommandiert, als ob ich nicht selber denken und arbeiten könnte. Warum werden wir eigentlich gefragt, ob wir uns Kinder wünschen beim Einstellungsgespräch? Hey sorry, aber was soll der Scheiss? Erstens sollten ja nicht nur wir als Frauen* gelesene Personen uns um die Kinder kümmern und zweitens zeigt eine solche Frage genau worum es den Chef*innen eigentlich geht. Und zwar darum, dass wir möglichst schnell, effizient und viel arbeiten und sie Profit machen können. Wir als Menschen sind ihnen da scheiss egal. Uns zahlen sie dabei einen mickrigen Lohn. 21 Franken pro Stunde? Nein Danke! Wir haben die Schnauze voll! Darum sind wir heute am feministischen Streik. Es tut so gut, zu sehen wie viele unterschiedliche Personen heute etwas so Unglaubliches auf die Beine gestellt haben. Solidarität ist notwendig, wenn wir an den bestehenden Geschlechter- und Produktionsverhältnissen etwas ändern wollen.

Als wir uns als Gastro-Kollektiv das erste Mal getroffen haben, haben wir richtige Gänsehautsolidarität verspürt. Zu hören, wie es in den verschiedenen Betrieben läuft, was die Probleme und Handlungsmöglichkeiten sind, hat vielen von uns die Augen geöffnet. Wir sind nicht allein mit diesen unerträglichen Problemen. Wir sind viele! Und wir sind stark!

Dennoch ist es den wenigsten von uns heute möglich, wirklich zu streiken, ohne eine Kündigung zu riskieren. Wirklich zu streiken, das heisst: ohne zu fragen die Arbeit niederlegen. Und nicht heute frei zu bekommen, aber stattdessen morgen und übermorgen arbeiten zu müssen. Nein, wenn wir wirklich streiken würden, dann täte das dem Betrieb, den Chef*innen weh. Nicht ihnen direkt täte es weh, sondern ihrem Profitgedanken. Wenn wir alle zusammenstehen, schaffen wir es vielleicht, heute in einem Jahr einen dritten feministischen Streik zu organisieren. Dann werden wir streiken, so richtig. So wie es schon so viele Leute vor uns taten. Um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. So viele Errungenschaften, die wir heute als normal erachten, stammen aus solchen Arbeitskämpfen. Es wird Zeit, dass wir die Widerstandsform des Streiks wieder brauchen und unsere gemeinsame Stärke nutzen. Und dann: Pääääm! Streik, Streik, Streik!

Abwäscherinnen*, Köchinnen*, Barkeeperinnen*, Kellnerinnen*, Putzpersonal: alle zusammen! Gastro-Frauen* aller Betriebe vereinigt euch!

Ob Kneipe oder Restaurant, wichtig ist der Widerstand!!!