Un violador en tu camino – Ein Vergewaltiger in deinem Weg

Foto einer Person während der Performance von un violador en tu camino mit kurzen Sätzen die die einzelnen Symbole der Performance beschreiben auf spanisch, Übersetzung auf Deutsch: Und es war nicht meine Schuld! 1) Augenbinde: Die Gewalt an Frauen wird unsichtbar gemacht, abert trotzdem verschaffen sich die Frauen Gehör, tanzen und singen.  2) Kleidung: Sie tragen sogenannt „provokative Kleidung“, weil wenn sie eine Frau missbrauchen, dann war die Schuld nicht bei ihr, egal wo sie war und egal was sie anhatte. 3) Kniebeugen: Wenn in Chile Frauen ohne Grund verhaftet werden, wird ihnen befohlen, nackt Übungen zu machen. 4) Der unterdrückende Staat: In Chile werden nur 8% der Angeklagten wegen Vergewaltigung verurteilt. In Mexiko liegt die Straflosigkeit bei 99%.

Un violador en tu camino – Ein Vergewaltiger in deinem Weg

Es ist eine Performance, die momentan auf der ganzen Welt aufgeführt wird. Doch es ist nicht irgendeine Performance. Mit dem Tanz und Sprechgesang, welcher aus der chilenischen feministischen Bewegung kommt, nehmen sich Frauen*/FLINT* öffentliche Räume, um die Täter der sexualisierten Gewalt anzuklagen, welche sie tagtäglich erleben. Sie treten aus der Isolation heraus, welche sexualisierte Gewalt mit sich bringt, sie schaffen kollektive, solidarische und öffentliche Räume und sie schreien heraus:

«Der Vergewaltiger bist du!
Es sind die Bullen,
Die Justiz,
Der Staat,
Der Präsident»

Im Kontext der sozialen Bewegung in Chile, welche sich gegen die Austerität und die neoliberale Agenda der Regierung Piñera richtet, ist die Anklage gegen den Staat und den Präsidenten ebenso zentral wie gegen die Polizei und die Justiz. Chile gilt seit der Diktatur Pinochet in den 70er als neoliberales Experimentierfeld und Vorzeigeprogramm. Es ist eine Wirtschaft und Politik, welche die soziale Ungleichheit fördert und zuspitzt. Und gerade Frauen*/FLINT* sind von den Folgen dieser Politik am heftigsten betroffen. Es sind Frauen*/FLINT*, welche die gekür

zten Sozialleistungen mit Gratisarbeit kompensieren müssen und die Verschärfung von Ungleichheiten entwickeln sich immer auch entlang Geschlechterlinien. Frauen*/FLINT* werden so in Prekarität und Abhängigkeit getrieben.
Frauen*/FLINT* sind auf der ganzen Welt sexualisierter Gewalt ausgesetzt und Vergewaltigungen sowie Femizide finden in allen Klassen und allen Welt-Regionen statt. Und es ist kein Geheimnis, dass sexualisierte Gewalt in Krisensituationen zunimmt und auch als Repressionsmittel eingesetzt wird. So auch durch die Polizei: In Chile gab es mehrere Fälle von durch die Polizei vergewaltigte Demonstrant*innen.Im Text wird als zweite «Strophe» auch die Hymne der chilenischen Polizei zitiert. Sie lautet:

«Schlafe beruhigt
Unschuldiges Mädchen
Sorge dich nicht um den Übeltäter
Denn über deinen Schlaf
Süß und lächelnd
Wacht dein Liebhaber der Polizei»

Es ist offensichtlich, dass dieses Zitat eine scharfe Kritik an der Polizei ist, die eben weder Freund noch Helfer ist und sich schon gar nicht um die süssen Träume von Mädchen kümmert, sondern im Gegenteil deren Nächte zu Albträumen werden lässt.
Der Text zur Performance, welcher vom feministischen Kollektiv Lathesis verfasst wurde, klagt alle diese Akteure an – zurecht!

Auch in der Schweiz ist sexualisierte Gewalt alltäglich. Und auch in der Schweiz regt sich der Widerstand dagegen. Wir nehmen das nicht weiter hin – Ni Una Menos!
Wir werden deshalb die Performance aus Chile im Rahmen der Aktionswochen an der Hochschule aufführen. In Solidarität mit Chile und im Kampf gegen sexualisierte Gewalt weltweit!


FLINT steht für Frauen* Lesben inter nonbinary und trans Menschen
Wir verwenden das * um auf die Konstruiertheit der Geschlechtskategorien hinzuweisen.

Article by the Guardian:
Chilean anti-rape anthem becomes international feminist phenomenon 

target=“_blank“ rel=“noopener““Un violador en tu Camino“-Performance in Zürich am Eröffnungsfest des Streikhauses.