Rede 8.März Streik der Reproduktionsarbeit

Ich spreche hier als Mutter von zwei Kindern aber vielleicht auch für viele andere Mütter, die tagtäglich Care-Arbeit leisten. Care-Arbeit als Mutter heisst oft:

  • Jeden Abend, jeden morgen, häufig mittags eine Mahlzeit kochen
  • Fast jeden Tag Zvieri und Znüni machen – Öpfelschnitzli schneiden, Dar Vidas bestreichen
  • Mehrmals Mal wöchentlich die Lebensmittel dazu kaufen
  • Jeden Tag das Geschirr abwaschen
  • Jeden Tag den Tisch putzen
  • Jeden Tag die Brösmeli vom Boden fegen
  • Jeden Abend die Kinder das Pijama anziehen
  • Jeden Abend ihnen die Zähne und Gesicht putzen
  • Jeden Tag sie mehrmals wickeln
  • Jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen
  • Jeden Abend die Kinder in den Schlaf singen
  • Jeden Morgen die Kinder die Kleider, Jacken und Schuhe anziehen
  • Jeden Morgen die Kinder in die Kita/ Kindsgi/ Schule bringen
  • Wöchentlich die Kinder baden, ihre Haare waschen, ihre Nägel schneiden, ihre Haare bürsten
  • Die Kinder trösten
  • Streit schlichten
  • Mit den Kindern spielen
  • Mit den Kindern auf den Spielplatz oder sonst wo raus
  • Jede Woche die Kleider waschen, zum Trocknen aufhängen, abhängen, falten, versorgen

Und vieles, vieles mehr.
Dies erledigen weiterhin v.a. wir Mütter in der Zeit, die uns nebst unserer bezahlten Arbeit im Büro, in der Kita, in Spitälern oder wo auch immer noch bleibt.

Diese Arbeit ist schön, befriedigend, berührend, spannend, entschleunigend und bereichernd. Diese Arbeit ist anstrengend, auszehrend, manchmal eintönig, physisch strapazierend, oft auch überfordernd. Die Arbeit an sich ist nicht das Problem.

Das Problem sind die Bedingungen, unter welcher wir diese Arbeit machen:
Unsere Arbeit wird unbezahlt geleistet
Unsere Arbeit geschieht unsichtbar
Unsere Arbeit machen wir isoliert in Wohnungen, Küchen, umzäunten Spielplätzen
Unsere Arbeit wird von der patriarchalen Gesellschaft geringgeschätzt.
Denn noch allzu oft wird dieser Arbeit gar nicht als Arbeit gesehen. Sondern als schlichte Herzensangelegenheit, als Teil unseres weiblichen Naturells. Dabei schwingt der Anspruch an uns Mütter mit Aufopferung für andere als weibliche Selbstentfaltung schlechthin zu verinnerlichen.

Doch wir wollen uns nicht mehr länger aufopfern. Wir möchten nicht mehr im stillen Kämmerli mit unserer Arbeit die Gesellschaft am Laufen halten. Brechen wir unsere Verbannung ins Private. Kommen wir aus unseren Küchen, Spielzimmern, Einfamilienhäuslis hervor.

Essen wir die Reiswaffeln und Gonfi-Brötli mit unseren Kindern zu dreissigst auf dem Paradeplatz. Wickeln wir unsere Säuglinge im Bankenfoyer.
Nehmen wir uns wie jetzt dann gleich mit Kinderwagendemos die Strassen.
Schaffen wir uns Häuser, die uns zusammenführen statt isolieren. Die uns entlasten und uns sozial einbinden, statt uns einzelne mit unserer Arbeit und unseren Kleinfamilien alleine lassen.
Schaffen wir Quartiere, in denen sich Kinder frei bewegen können, statt dass sie ständig von uns begleitete werden müssen.
Schaffen wir eine Welt, in der Carearbeit keine Privatsache ist. Schaffen wir eine Welt, in der Carearbeit nicht als Störfaktor angesehen wird – sondern als Arbeit von allen und drum im Zentrum unserer Gesellschaft steht.

Dazu müssen wir stark sein. Das können wir nicht alleine, denn zu sehr sind wir oft von der täglichen Care-Arbeit vereinnahmt. Schliessen wir uns zusammen!

Kommt zum Beispiel ans nächste Treffen der Gruppe kritische Elternschaft am Samstag 14.3. um 11h. Schliesst euch an! Bis bald.