1 Jahr Ni una menos Platz in Zürich

Transparent: "NI UNA MENOS", darunter gemalt eine langhaarige Person, darunter geschrieben "!El ViOLADOR ERES TU!"

Erinnern wir uns: Am  1. Mai letzten Jahres war eine Vertreterin der Ni una menos Bewegung und der Kampagne für das Recht auf legale und sichere  Abtreibung, Natalia di Marco, aus Argentinien hier bei uns in Zürich. In Veranstaltungen und Gesprächen lernten wir die politische Arbeit und Stärke der Ni una menos  Bewegung kennen und waren beeindruckt.  Bei uns entstand das Bedürfnis den Kampf gegen  Feminiziden als patriarchale strukturelle Gewalt  hierzulande aufzugreifen. Den Start dafür wählten wir auch als feministische Antwort auf die Repression gegen eine Aktivistin  des Frauen*streikkollektivs/feministischen Kollektivs Zürich.

Nun zur Geschichte wie es dazu gekommen ist.

Als Mobilisierung für den grossen Frauen*streik 14. Juni 2019 kam es zu Stadtverschönerungsaktionen, wobei Statuen mit Tüchern, Transparenten  und Schärpen behangen wurden. Damit thematisierten die Aktivistinnen

verschiedene Diskriminierungsformen sowie strukturelle Gewalt an Frauen*. Eine Polizeipatroullie kontrollierte eine Gruppe und verlangte, dass die Aktivistinnen alles abhängen und entfernten. Weil sich diese weigerten, schnitt ein Bulle mit seinem Sackmesser aggressiv alles runter. Eine der Frauen* kritisierte das sexistische Gehabe. Ihre verbale Kritik „Saupack“  wurde als Ehrverletzung bzw. Beschimpfung ausgelegt und ein Verfahren eröffnet. Am Tag der Vorladung, eben genau heute vor einem Jahr,  vor die Staatsanwaltschaft hat das Frauen*streikkollektiv Zürich zu einer Solidaritätsaktion im Sinne von ein Angriff auf eine, ist ein Angriff auf alle aufgerufen. Die Aktivistin trat die heruntergerissene Ni una menos Schärpe tragend und mit der feministischen Kraft des 14. Junis im Rücken vor die Staatsanwaltschaft. Mit Saupack habe sie den ganzen Polizeiapparat gemeint, sagte die Aktivistin. Das Strafverfahren wurde eingestellt und in der Erklärung dazu steht. „ Damit dürfte eine sog. Kollektivbeschimpfung vorliegen, welche nicht geeignet ist, die Ehre der Anzeigeerstatter ( 4 Polizisten ! ) als Einzelpersonen zu schädigen.“ Fazit: Widerstand lohnt sich immer!

Danach draussen, also hier an der Solidaritätsaktion  tönte es in einer Rede dann folgendermassen: „…. Was ist Ehre (= männliche Ego ) doch für ein bescheuertes Wort: Es geht um Würde, Integrität, es geht um Respekt und Achtung, Selbstbestimmung, und es geht um Freiheit und Befreiung und zwar von allen Frauen* weltweit. ….Welche Würde wird denn tagtäglich nicht nur mit Füssen getreten und zertreten? Alle zwei Wochen wird in diesem Land eine von uns meist von ihrem Partner oder EX ermordet. Nennen wir diese Verbrechen beim Namen! Es sind Frauenmorde. Das ist Feminizid. Und das hat System und ist moderne Hexenverfolgung und Hexenverbrennung….“

Im Anschluss wurde der Helvetiaplatz von den Anwesenden der Frauen*streik feministischen Streikbewegung zum Ni una menos-Platz umbenannt. Seither hat sich  das Kollektiv Ni una menos in Zürich organisiert. Ziel des Kollektivs ist die strukturelle Gewalt an Flintq sichtbar zu machen, strukturelle Gewalt als politisch zu erklären  und dagegen zu kämpfen. Damit sind wir Teil der internationalistischen und feministischen Bewegung gegen Feminizide.  Nach jedem Feminizid in der Schweiz folgt ein Aufruf für einen Gedenk-  und  Protesttreffen auf dem Ni una menos Platz. Bereits 13 Mal d.h. 13 Proteste in diesem Jahr!

Ich möchte noch  der 28 jährigen Frau in Sattel gedenken, die am 14. August von ihrem Vater lebensgefährlich angegriffen und verletzt wurde und per Helikopter ins Spital geflogen werden musste. Jede Woche überlebt eine Frau die tödlichen patriarchalen Angriffe in der Schweiz. Ihnen allen gedenken wir und wünschen gutes Genesen physisch und psychisch.

Ni una menos – vivas nos queremos.

Se toccan a una –  respondemos todas


Interesse? Dann melde dich bei niunameos@streikhaus.ch 21. August 2020